Rundgang in Cento. Auf den Spuren der Italienischen Reise Goethes, der Malarbeiten von Guercino und eines der ältesten Karnevals in Italien

Dauer 1.5 bis 2.5 Stunden

 

Cento – Der Rundgang
Der Besuch ist als Rundgang gedacht. Beginnend mit der Rocca, der Festung aus dem 14. Jh., führt er an die Hauptgebäuden und Wahrzeichen der Stadt und deren Geschichte entlang: corso Guercino, Piazza del Governatore mit dem Guercindenkmal von Stefano Galletti, Pinakothek, S. Biagio Mutterkirche, S. Maria Maddalena Kirche, Oratorio del Rosario, Casa Pannini, Casa della Partecipanza, Auditorium S. Lorenzo, Juden-Ghetto, Casa Provenzali, Caffè Italia, Stadttheater G. Borgatti.
Um das Werk des Malers näher kennenlernen zu wollen, ist eine Vertiefung möglich. Seine traditionall in der Stadtpinakothek ausgestellten Werke sind derzeit in der Kirche S. Lorenzo zu bewundern.

Cento – Stadtführung – Kosten
Gruppen bis zu 30 Personen – 160€
Der Rundgang ist auch für Gehbehinderte geeignet.
Bei größeren Gruppen empfiehlt man die Verwendung von drahtlosen Hörgeräten. Leihmöglichkeit vor Ort: www.toursound.it

Es sind keine weitere Kosten vorgesehen.

Kostenloser Reisebusparkplatz in unmittelbarer Nähe des historischen Stadtkerns.

 

Buchen Sie eine Stadtführung in Cento.
Melden Sie sich, um mehr zu erfahren: Tel +39 0532 91219 – Mob +39 339 8743857 oder füllen Sie das Formular aus.

 

Cento – Mehr darüber…

Cento – Die Stadt

Die Stadt Cento ist bestimmt ein Besuch wert. Heute zählt sie rund 35.000 Einwohner.

Gegründet wurde die Stadt im Mittelalter, und die Wasserburg aus dem 14. Jh. ist das wichtigste bauliche Zeugnis davon. Historisch ist die Stadt in vier borghi, Viertel,  geteilt: Borgo Malgrato, Borgo di Mezzo, Borgo da Sera und Borgo da Dimani, voneinander geteilt von den Strassenachsen  Gennari, Guercino, bzw. Cremonini-Malagodi.

In Cento wurde Giovanni Francesco Barbieri (1591-1666) geboren, dessen Kunstwerke vor Ort noch zahlreich erhalten sind: in der Basilica Collegiata di S. Biagio, in der Chiesa del Rosario und in der Pinacoteca Civica. Guercin war dem Dichter J. W. v. Goethe bekannt, Grund für einen Stadtbesuch am 17. Oktober wert, als er 1786 seine italienische Reise startete. In Cento war auch eine bedeutende jüdische Gemeinschaft zu Hause, die heute noch durch das historische Ghetto bezeugt ist. Weitere Künstler haben zum Ruhm der Stadt Cento beigetragen, so der Bildhauer Stefano Galletti (1832-1905) und der Maler Aroldo Bonzagni (1887-1918).
Im Bereich der Musik sind der Tenor Giuseppe Borgatti (1871-1950), der Flautist Arrigo Tassinari (1889-1888) und der Violinist Bartolomeo Campagnoli (1751-1827) bekannt.
In Cento ist heute noch eine besondere juridische Einrichtung aktiv, die sog. Partecipanza Agraria.
Schließlich kam auch der Bauernsohn Ferruccio Lamborghini (1916-1993) aus Cento.

 

Goethe in Cento – aus der Italienischen Reise 1786, 17. Oktober

“Cento, den 17. abends.
In einer bessern Stimmung als gestern schreibe ich aus Guercins Vaterstadt. Es ist aber auch ein ganz anderer Zustand. Ein freundliches, wohlgebautes Städtchen von ungefähr fünftausend Einwohnern, nahrhaft, lebendig, reinlich, in einer unübersehlich bebauten Plaine. Ich bestieg nach meiner Gewohnheit sogleich den Turm. Ein Meer von Pappelspitzen, zwischen denen man in der Nähe kleine Bauerhöfchen erblickt, jedes mit seinem eignen Feld umgeben. Köstlicher Boden, ein mildes Klima. Es war ein Herbstabend, wie wir unserm Sommer selten einen verdanken. Der Himmel, den ganzen Tag bedeckt, heiterte sich auf, die Wolken warfen sich nord- und südwärts an die Gebirge, und ich hoffe einen schönen morgenden Tag.

Hier sah ich die Apenninen, denen ich mich nähere, zum erstenmal. Der Winter dauert hier nur Dezember und Januar, ein regniger April, übrigens nach Beschaffenheit der Jahreszeit gut Wetter. Nie anhaltender Regen; doch war dieser September besser und wärmer als ihr August. Die Apenninen begrüßte ich freundlich im Süden, denn ich habe der Flächen bald genug. Morgen schreibe ich dort an ihrem Fuße.

Guercino liebte seine Vaterstadt, wie überhaupt die Italiener diesen Lokalpatriotismus im höchsten Sinne hegen und pflegen, aus welchem schönen Gefühl so viel köstliche Anstalten, ja die Menge Ortsheilige entsprungen sind. Unter jenes Meisters Leitung entstand nun hier eine Malerakademie. Er hinterließ mehrere Bilder, an denen sich noch der Bürger freut, die es aber auch wert sind.

Guercin ist ein heiliger Name, und im Munde der Kinder wie der Alten.

Sehr lieb war mir das Bild, den auferstandenen Christus vorstellend, der seiner Mutter erscheint. Vor ihm knieend, blickt sie auf ihn mit unbeschreiblicher Innigkeit. Ihre Linke berührt seinen Leib gleich unter der unseligen Wunde, die das ganze Bild verdirbt. Er hat seine linke Hand um ihren Hals gelegt und biegt sich, um sie bequemer anzusehen, ein wenig mit dem Körper zurück. Dieses gibt er Figur etwas, ich will nicht sagen Gezwungenes, aber doch Fremdes. Dessenungeachtet bleibt sie unendlich angenehm. Der stilltraurige Blick, mit dem er sie ansieht, ist einzig, als wenn ihm die Erinnerung seiner und ihrer Leiden, durch die Auferstehung nicht gleich geheilt, vor der edlen Seele schwebte.

Strange hat das Bild gestochen; ich wünschte, daß meine Freunde wenigstens diese Kopie sähen.

Darauf gewann eine Madonna meine Neigung. Das Kind verlangt nach der Brust, sie zaudert schamhaft, den Busen zu entblößen. Natürlich, edel, köstlich und schön.

Ferner eine Maria, die dem vor ihr stehenden und nach den Zuschauern gerichteten Kinde den Arm führt, daß es mit aufgehobenen Fingern den Segen austeile. Ein im Sinn der katholischen Mythologie sehr glücklicher und oft wiederholter Gedanke.

Guercin ist ein innerlich braver, männlich gesunder Maler, ohne Roheit. Vielmehr haben seine Sachen eine zarte moralische Grazie, eine ruhige Freiheit und Großheit, dabei etwas Eignes, daß man seine Werke, wenn man einmal das Auge darauf gebildet hat, nicht verkennen wird. Die Leichtigkeit, Reinlichkeit und Vollendung seines Pinsels setzt in Erstaunen. Er bedient sich besonders schöner, ins Braunrote gebrochener Farben zu seinen Gewändern. Diese harmonieren gar gut mit dem Blauen, das er auch gerne anbringt.

Die Gegenstände der übrigen Bilder sind mehr oder weniger unglücklich. Der gute Künstler hat sich gemartert und doch Erfindung und Pinsel, Geist und Hand verschwendet und verloren. Mir ist aber sehr lieb und wert, daß ich auch diesen schönen Kunstkreis gesehen habe, obgleich ein solches Vorüberrennen wenig Genuss und Belehrung gewährt.”

 

Cento – Der historische Karneval – Geschichte und Infos in Kürze
1615 – In den Freskenmalereien Guercins sind Feste und Veranstaltungen des Karnevals in Cento.dargestellt.
1900, Beginn – Die Bevölkerung von Cento erfindet ihren eigenen Faschingskönig, Tasi. Luigi Tasini hatte wirklich gelebt. Tasi sollte das Gewissen seiner Mitbevölkerung darstellen.
1947 – Wiederaufbau der Faschingsgesellschaften, teilweise noch aktiv im Jahr 2018.
In den Achtziger Jahren ist der Karneval eine Veranstaltung mit örtlichem Charakter.
1990 – Ivano Manservisi übernimmt die Leitung des Karnevals.
1993 – Der Karneval von Cento ist weltweit der erste Partnerkarneval von Rio.
2018 – Die Karnevalsgesellschaften sind: I Ragazzi del Guercino, I Toponi, I Fantastici 100, Il Risveglio und Mazzolara.
2019 – Die Veranstaltung findet im historischen Stadtzentrum statt, am 10., 17. und 24. Februar und am 3. und 10. März mit Beginn um 14 Uhr. Die Veranstaltung sieht einen Eintrittspreis vor. Für Infos wende man sich an Tel +39 051 6843334 – info@carnevalecento.com

 

Cento – Die Geschichte der Stadt, Daten und Fakten
Der Stadtname ist möglicherweise auf die Teilung des Landgebiets zur Zeit der Römer zurückzuführen. Die Morfologie ist im Laufe der Zeit vom Flusslauf des Reno und der Süsswassersümpfe bestimmt worden, wo der Flusskrebs gefischt wurde.
Eine erste Siedlung dürfte es bereits im 9. Jh. unweit der Kirche S. Maria Maggiore in Pieve di Cento gegeben haben. Kurz nach dem Jahr 1000 bildete sich eine zweite Siedlung um die heutige Kirche San Biagio.

1185 – Erstmals wird eine Gemeinschaft belegt.
1250 – In den Statuten von Bologna wird der sog. “canalino” belegt, der das Wasser aus dem Reno Fluss entnimmt.
1253 – Einrichtung der sog. Partecipanza Agraria, die heute noch alle zwanzig Jahre eine Neuverteilung der Landgründe unter den capisti vorsieht, die Erben der rund 90 Familien, die im 13. Jh. die Langebiete trocken gelegt hatten.
1267 – Erste Trockenlegung der Landgebiete der heutigen Corporeno und Buonacompra. Es folgen die Landgebiete von Malaffitto (heute Renazzo und XII Morelli).
1279 – Erstmals werden die vier borghi Borgo da Dimani, Borgo di Mezzo, Borgo da Sera und Borgo Malgrato erwähnt.
1362 – Der sog. canalino durch Borgo di Mezzo geführt, von der Rocca zur  porta Molina.
1376 – Das Landgebiet wird in geteilt. Ab diesem Zeitpunkt bilden sich zwei getrennte Gemeinschaften, eine um Cento und eine zweite um Pieve. 3/5 des Landgebiets von Malaffitto geht and Cento über, der Rest and Pieve. Dies bewirkt auch die geometrische Unterteilung des Gebietes in Landstücke auf, die heute noch morelli genannt werden.
1378 – Der Bischof in Bologna Bernardo di Bonnevalle vernlasst aus defensieven Gründen den Bau der Feste. Die Blasiuskirche wird Mutterkirche erklärt und mit einem Taufstein versehen.
1390, 21. November – Eine Notarschrift belegt zum ersten Mal die Präzenz von Juden in der Stadt Cento.
1443 – In Cento wird der Maler Marco Zoppo geboren, der sich in Padua in der Werkstatt des Squarcione bilden wird. Der Maler ist vorwiegend in Bologna und in Venedig tätig.
1457 – Ein katastrophischer Dammbruch des Reno verursacht die Verschiebung des Flussbetts, womit Cento von Pieve voneinander natürlich getrennt werden, was zur Entwicklung von zwei getrennten Schwestergemeinschaften führt (zwei Festungen, zwei Gemeindepaläste, zwei Hauptplätze, zwei Stadtgalerien, zwei Theater, zwei Stadtarchive…)
1465 – Der Bischof Calandrini veranlasst einen wesentlichen Wiederaufbau der Festung.
1483 – Der Kardinal Giuliano della Rovere – später Papst Julius II. – veranlasst eine Besserung und Änderung des Aussehens der Festung.
1484 – Entsteht die heutige Partecipanza. Im Mittelpunkt der Gewerbetätigkeit steht der Hanfanbau.
1502 – Die Heirat von Lucrezia Borgia mit Alfonso d’Este führt die Landgebiete von Cento und Pieve zum Herzogtum der Este. Bau des Palazzo del Governatore in Cento.
1538 – Der Canalino wird schiffbar und an die Handelsrouten von Ferrara und Venedig angeschlossen.
1543 Alberto Accarisio gibt als Selbstdruck das erste Wörterbuch des volgare, der italiensichen Sprache, heraus.
1563 – Wird in Cento der Geschichtsschreiber Biagio Bagni (1563-1625) geobren.
1591 – Wird der Maler Giovanni Francesco Barbieri, Guercin gennat, geboren.
1598 – Mit der Vertreibung der Este aus den Gebieten von Ferrara, Cento und Pieve, werden diese zum Kirchenstaat zurückgeführt.
1630 – 1631 – Das Gebiet wird von einer fürchterlichen Pest heimgesucht.
1636 – Einrichtung des sog. Ghetto in Cento.
1648 – Überschwemmung des Reno mit schweren Folgen auf die lokale Wirtschaft.
1754 – Dank Kardinal Lambertini, später Papst Benedetto XIV., wird Cento zum Stadtrang erhoben.
18. Jh., Ende – Wird die erste feste Brücke als Mauerbau errichtet.
1797 – Cento wird Hauptstadt des Departements Alta Padusa. Napoleon nennt den Juristen Giovanni Vicini Generalsekrtär der Cisalpinen Regierung.
1807 – Beginn der Umbauarbeiten der Festung und Errichtung des heutigen Eingangs.
1812 – Katastrophische Überschwemmung des Reno in Cento.
1815 – Wiedereinführung des Regierung des Kirchenstaates. Viele von den Franzosen konfiszierten Kunstwerke werden an Cento zurückerstattet.
1859 – Gründung der Stadtsparkasse Cassa di Risparmio di Cento. Abschaffung der Eisentore, die das Judenghetto vom Rest der Stadt trennen.
1861, 15. August – Offizielle Eröffnung des Stadttheaters Cento. Projekt des Architekten Antonio Giordani in Zusammenarbeit mit Fortunato Lodi.
1869 – Die Einführung der sog. “Mahlsteuer” in Italien bewirkt im ganzen Land große Unzufriedenheit und eine heftige Reaktion. Die villani besetzen und plündern den Palazzo Comunale und verbrennen das historische Stadtarchiv.
1889 – Ein außerordentlicher Anstieg des Flusspegels bewirkt den Bruch der Steinbrücke.
1912 – Bau der Grundschule Giovanni Pascoli, Architekt  Giuseppe Costa.
1924 – Das Stadttheater Cento wird nach dem Tenor Giuseppe Borgatti benannt.
1925 – Gründung der ersten Gewerbeschule Scuola Industriale F.lli Taddia.
1926, 2. Februar – Eröffnung des Caffè Italia an Stelle des ersten bescheidenen Stadtkinos Margherita. Caffè Italia war damals auch mit einem Hotel, einem Restaurant, einem Billardzimmer, einem Saal für das Kartenspiel sowie einem Theatersaal versehen, das vom Circolo della Stabile Filodrammatica Centese geführt war. Caffè Italia war kostbar und elegant eingerichtet und lange Zeit einer der lebhaftesten Mittelpunkte des örtlichen sozialen, kulturellen und politischen Stadtlebens. Die Fassade des Gebäudes ist in reinem Liberty-Stil. Das Café wird heute als Begegnungsstätte für Senioren geführt.
1929 – Pieve geht von der Provinz Ferrara auf die Provinz Bologna über.
20. Jh., Dreißiger Jahre – Cento und sein Landgebiet erleben eine bedeutende Auswanderungswelle nach Nordamerika.
1933 – Im Stadttheater wird das Museum Giuseppe Borgatti eröffnet.
1945 – Die Stadt wird bombiert. Das Kunstreichtum der Stadt wird minimal beeinträchtigt.
1957 – Stirbt Bice Finzi, die letzte Jüdin in Cento.
2012, 20. und 29. Mai – Cento und weitere Ortschaften in den Raumgebieten von Ferrara, Modena und Mantova werden von schweren Erdbeben getroffen. Als Folge davon muss die historische Bausubstanz teilweise gründlichen Renovierungsarbeiten unterworfen werden.

 

Führungen in Cento, in Ferrara, Comacchio, Po-Delta und Pomposa
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